GESCHICHTE

Die ersten Züchtungsaktivitäten in der SAATZUCHT STEINACH gehen auf Jahre
1904 bis 1911 zurück. In diesem Jahr wurde auf Initiative Karl August von Schmieder´s und Ludwig Niggl´s begonnen, geeignete Futtergräser (Wiesenschwingel, Rotschwingel und Goldhafer) zu sammeln, zu selektieren und zu vermehren, um dadurch den Grünlandertrag auf den betriebseigenen Pferdeweiden zu erhöhen und qualitativ zu verbessern.



Systematische Züchtung wurde seit 1920 betrieben. Nach der Einstellung des ersten Saatzuchtleiters, Erich Frank, im Jahr 1923 wurde die Züchtung um diverse Gräser-, Klee- und Futterölfrüchte erweitert und innerhalb kurzer Zeit wurden Sorten bei allen bearbeiteten Arten verfügbar.

Im Jahre 1950 wurde das Spektrum der Gräser-, Klee- und Zwischenfruchtarten um Gräserarten für Zier- und Sportrasen erweitert. Erich Frank leitete 48 Jahre lang die Züchtung in Steinach. Seine Arbeiten wurden ab 1971 von Philipp Berner weitergeführt, der die Züchtung und Produktion auch unter einigen wechselnden Eigentümern kontinuierlich erfolgreich fortführte. Berner legte einen großen Schwerpunkt auf die Produzierbarkeit der von ihm gezüchteten Sorten, da er selbst intensiv mit Produktion und Reinigung beschäftigt war und um die Probleme in diesen Bereichen wusste. Nach der Wende wurden unter seiner Leitung Teile des Gräserzuchtprogrammes nach Bornhof verlagert und dort integriert. Philipp Berner ging im Frühjahr 2000 in den Ruhestand. Seitdem leitete Dr. Fred Eickmeyer die Züchtung- in den Jahren 2009 bis 2012 übernahm diese Aufgabe Frau Dr. Alexandra Gay. Sie wurde nun von Frau Sabine Schulze abgelöst, die seit dem Frühjahr 2012 die Züchtungsleitung inne hat. Die Aufgabe unserer Züchter ist es, neue Techniken und Methoden in die Zuchtprogramme zu integrieren, die Zuchtprogramme von Steinach und Bornhof weiterhin eng aneinander zu knüpfen und die Züchtung auf regionale, nationale und internationale Erfordernisse einzustellen.

Die Geschichte des Saatzuchtbetriebes Bornhof/Bocksee geht auf das Jahr 1955 zurück. Prof. Kress und Dr. Brummund initiierten den Aufbau einer Zuchtstation, die sich spezifisch mit der Züchtung derjenigen Arten befassen sollte, die auf den leichten Sandböden Mecklenburgs und Brandenburgs gedeihen. Das oberste Zuchtziel war „Anspruchslosigkeit“ und so ist eine Zuchtstation auf diesem ertragsschwachen Standort wohl einmalig. Die Entwicklung der Pflanzenzüchtung im VEG Bornhof vollzog sich rasch. Vor der Wiedervereinigung Deutschlands war Bornhof neben Petkus die bedeutendste Zuchteinrichtung für Pflanzen der leichten Böden mit stark ausgebauter Züchtungsforschung. Die Züchtungsforschung wurde in enger Absprache mit der Akademie der Wissenschaften durchgeführt. Für die Saatzuchtleitung war von der Gründung der Zuchtstation Bornhof bis ein Jahr vor der Wiedervereinigung Dr. Brummund verantwortlich, der gleichzeitig auch Leiter der Abteilung Lupinenzüchtung war. Er wurde als Saatzuchtleiter 1989 von Ulrich Schmiechen abgelöst, der bis dahin die Abteilung Getreidezüchtung leitete. Alle vor 1990 bearbeiteten Arten befinden sich auch nach dem Kauf durch die SAATZUCHT STEINACH im Jahre 1992 noch in der Selektion. Hinzugekommen sind aber einige Futterpflanzenarten. Insbesondere für die in Bornhof neu aufgenommenen Arten wurde eine Beregnung der Zuchtgartenfläche installiert, so dass auch diese Arten in Bornhof geeignete Bedingungen vorfinden.


PERSONAL

In den Zuchtstationen Steinach und Bornhof sind zusammen 14 Angestellte in rund 30 verschiedenen Arten züchterisch aktiv. Die Arbeitsspitzen werden durch erfahrene Aushilfskräfte aus den Orten in Teilzeitarbeit sowie Schülern und Praktikanten in den Ferien abgefangen.








BETRIEBE

Die Züchtungsaktivitäten der SAATZUCHT STEINACH verteilen sich auf die Betriebe Steinach und Bornhof. Der Betrieb Ballin spielt eine Rolle in der Produktion von Vorstufen- und Basissaatgut sowie einiger Züchterstämme, insbesondere von Winterroggen und Blauen Lupinen.

Die Zuchtstation Bornhof mit ihren leichten Sandböden und ihrer Sommertrockenheit ist prädestiniert für die Züchtung von Blauen und Gelben Lupinen, sowie Populations-Winterroggen und Schafschwingel. Beregnungsmöglichkeiten großer Teile der Zuchtgärten machen außerdem die erfolgreiche Züchtung von Welschem Weidelgras, Einjährigem Weidelgras, Knaulgras, Kurzausläufer- und Ausläuferrotschwingel, sowie Phacelia, Serradella und Hornklee möglich. Hier wird auch die Erhaltungszüchtung eines Wiesenrotklees betrieben. Seit 2001 steht für den kompletten Zuchtgarten eine Beregnung zur Verfügung, so dass auch die Selektion und Prüfung anspruchsvollerer Arten gewährleistet ist.

In der Zuchtstation Steinach am Rande des Bayerischen Waldes im Übergang zum Donautal erfolgt seit nunmehr über 100 Jahren die Züchtung von Futtergräsern, Futterleguminosen und Zwischenfrüchten. Arten wie Glatthafer, Goldhafer, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenschwingel, Lieschgras, Deutsches Weidelgras für Futter- und Rasennutzung, Futterrotschwingel, Wiesenrispe, Rotklee, Weißer Senf, Bastard Weidelgras, Lägerrispe für Rasennutzung, Wiesenrispe Rasen, Horstrotschwingel werden hier bearbeitet. Erhaltungszüchtung erfolgt außerdem für Straußgras, Ölrettich und Arnika.

Die besonderen geographischen und klimatischen Lagen sowie die Ausrüstung beider Zuchtstationen erlauben es, schnelle Zuchtfortschritte in den wichtigsten Merkmalen bei den bearbeiteten Arten zu erreichen. Merkmale wie Mooreignung oder Winterhärte bei Futtergräsern werden auf externen Praxisflächen an geeigneten Standorten beobachtet.

Mit ihrem Artenspektrum ist die SAATZUCHT STEINACH wohl einer der vielseitigsten, privaten Züchtungsbetriebe weltweit.


ZUCHTZIELE
Futterpflanzen, Getreide, Lupinen

Neben den traditionellen Zuchtzielen Ertrag, Ertragsverteilung, Ertragsstabilität, Gesundheit, Samenertrag, Druschfähigkeit und Anspruchslosigkeit spielen immer mehr Merkmale der inneren Qualität eine Rolle in der Züchtung. Merkmale wie Verdaulichkeit, Proteingehalt und –qualität, Zuckergehalte, Reduktion toxischer Inhaltsstoffe werden zukünftig in der züchterischen Praxis einen festen Platz einnehmen. Spezielle produktionstechnische Merkmale wurden mit der Grannenlosigkeit beim Glatthafer und der Ausfallfestigkeit beim Wiesenschwingel erreicht.


Rasengräser

Die Zuchtziele der Rasengräser leiten sich her aus den verschiedenen Einsatzbereichen im Zierrasen, Hausrasen, Sportrasen, Golfrasen, Landschaftsrasen bis hin zur Blumenwiese oder zum Kräuterrasen. In diesen Einsatzbereichen sind gefordert: Dichte und Feinheit der Narbe, Belastbarkeit, Geringe Schnitthäufigkeit, Anspruchslosigkeit, Farbe, Gesundheit, Schattenverträglichkeit, Sommer- und Winteraspekt. Hier ist als Steinacher Spezialität die Lägerrispe zu nennen, die als eines der schattenverträglichsten Gräser zum Rasengras entwickelt wurde.


Zwischenfrüchte

Hier sind die Zuchtziele schnelle Anfangsentwicklung und damit Bodendeckung, ein ausgeprägtes Wurzelsystem sowie Gesundheit zu nennen. Derzeit sind insgesamt 75 Sorten der genannten Arten der SAATZUCHT STEINACH in der deutschen Sortenliste zu finden.


Forschungskooperationen

In der Forschung und Entwicklung neuer Pflanzensorten steht die SAATZUCHT STEINACH nicht isoliert da, sondern pflegt intensive Kontakte zu in- und ausländischen Züchtern. Hierdurch hat die SAATZUCHT STEINACH einerseits Zugang zu sehr interessanten Materialquellen und andererseits zu einem hocheffizienten Prüfsystem, um die eigenen Zuchtstämme auf alle wichtigen Eigenschaften prüfen zu können.

Im Bereich der Grundlagenforschung ist die SAATZUCHT STEINACH organisiert in der GFP (Gesellschaft zur Förderung der privaten deutschen Pflanzenzüchtung). Diese Organisation initiiert und koordiniert Gemeinschafts-Forschungsprojekte im vorwettbewerblichen Bereich, die von den kleinen und mittelständischen Züchtungsfirmen allein nicht durchgeführt werden könnten. Es werden aber auch direkte Kontakte zu verschiedenen Forschungseinrichtungen im Hochschul- und Fachhochschulbereich zur Bearbeitung von verschiedensten Fragestellungen gepflegt. Insbesondere seien an dieser Stelle auch die traditionell sehr guten und intensiven Beziehungen zur Bayerischen Landesanstalt für Bodenkultur und Pflanzenbau (LBP) in Freising und zur Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft (LFA) in Gülzow genannt.