BEHANDLUNG BEI ANTHRACNOSE
Probleme und Lösungen

Stand 30.4.03

Was ist Anthracnose und welche Gefahren gehen davon aus?

Anthracnose ist eine durch das Saatgut übertragene Pilzkrankheit, die sich seit 1995 kontinuierlich in Deutschland ausgebreitet hat und mittlerweile zu den weltweit bedeutendsten Krankheiten der Lupinen zählt. Am stärksten werden dabei Gelbe und Weiße Lupinen befallen, während Blaue Lupinen toleranter gegen diese Krankheit sind. Der Pilz wird in erster Linie mit dem Saatgut übertragen.


Was bedeutet dies für den landwirtschaftlichen Betrieb?
Die Pilzkrankheit führt zu massiven Ertragsausfällen sogar bis hin zum Totalausfall. Auch bei den bislang toleranten Blauen Lupinen sind Ertragsausfälle bis zu 30 Prozent aufgetreten, wenn befallenes und nicht gebeiztes Saatgut ausgesät wurde. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es bei der Aussaat von infiziertem und ungebeiztem Saatgut sowie entsprechenden Witterungsbedingungen, vor allem Feuchtigkeit und mäßig warme bis warme Temperaturen, zu Ernteverlusten kommen kann. Schließlich gehen die vorhandenen Toleranzen verloren und somit reduzieren sich auch die zur Verfügung stehenden Sorten.

Erstes Befallssyndrom am Ende des Blattstiels, die Blättchen werden schlaff, vertrocknen und fallen schließlich ab.







Gibt es Möglichkeiten, Anthracnose im Lupinenanbau zu bekämpfen?
Der wichtigste Baustein zur integrierten Bekämpfung der Anthracnose ist die Verwendung von anerkanntem, zertifiziertem und gebeiztem Saatgut. Durch die Beizung des Saatgutes kann der Befall mit Anthracnose erheblich reduziert und das Anbaurisiko minimiert werden.

Nur durch die Verwendung von Zertifiziertem Saatgut (Z-Saatgut) haben Sie die Sicherheit, dass die geernteten Lupinenkörner ohne Bedenken und ohne weitere Verarbeitung in der Ernährung von Mensch und Tier eingesetzt werden können. Die Biologie des Schaderregers und die ökonomische Situation im Lupinenanbau lassen die Saatgutbehandlung und damit den Einsatz von Z-Saatgut als einzige Bekämpfungsstrategie erscheinen.

Spiralig verdrehter Stängel oder Blütenstand der Gelben Lupine.








Welchen Vorteil habe ich beim Einsatz von Z-Saatgut?
In den deutschen Z-Saatgut-Vermehrungen werden von amtlicher Seite aus sowohl der Feldbestand als auch das Saatgut selbst auf Anthracnose untersucht. Dies gibt eine doppelte Sicherheit für den Anbau. Darüber hinaus wird das Saatgut gebeizt, so dass praktisch kein Ertragsrisiko durch ein eventuelles Auftreten von Anthracnose zu erwarten ist. Anerkanntes Saatgut - also Z-Saatgut - gibt Ihnen als Landwirt die Sicherheit, dass es auf Anthracnose untersucht worden ist.


Was passiert, wenn ich weiterhin Nachbausaatgut verwende?
Wenn Sie weiterhin vermehrt Nachbausaatgut im Lupinenbereich einsetzen, besteht die Gefahr, dass durch diesen Einsatz des nicht auf Anthracnose untersuchten Saatgutes - gleich welcher Lupinenart - die Resistenz gegen diese Pilzkrankheit verloren geht und es zu einem Verlust von Lupinensorten kommt. In den vergangenen Jahren haben deutsche Lupinenzüchter in Zusammenarbeit mit der Biologischen Bundesanstalt, den Saatgutanerkennungsstellen der Bundesländer und dem VDLUFA dafür gesorgt, dass die Versorgung mit gesundem Saatgut für alle Lupinenarten gewährleistet ist. Durch einen vermehrten Anbau von nicht untersuchtem Saatgut darf diese in jahrelanger Arbeit aufgebaute Resistenz nicht aufs Spiel gesetzt werden. Daher sollte - wo immer möglich -ausschließlich gebeiztes Saatgut zur Aussaat kommen.

Brennfleck auf dem Stängel mit schleimigem, orangefarbenen Konidienlager.







Was bedeutet der Einsatz von Z-Saatgut für den Bitterstoffgehalt meiner Lupinenproduktion?
Bei Verwendung von Zertifiziertem Saatgut der heute verfügbaren bitterstoffarmen Lupinensorten (auch als Süßlupinen bezeichnet), kann man von einem stabilen Bitterstoffgehalt ausgehen. Die Sorten werden erhaltungszüchterisch bearbeitet und das Saatgut ständig auf Qualität untersucht. Der Bitterstoffgehalt im Korn wurde durch die Pflanzenzüchtung auf weniger als 0,05 Prozent gesenkt.

Die meisten heute verfügbaren Blauen, Gelben und Weißen Lupinensorten enthalten sogar deutlich weniger als 0,02 Prozent dieser Bitterstoffe (Alkaloide) im Korn. Dadurch kann das Korn ohne weitere Verarbeitung direkt durch Mensch und Tier bedenkenlos verwertet werden. Durch den natürlichen Prozess der Mutation und durch Fremdeinkreuzung von bitterstoffhaltigen Wildtypen ist es jedoch möglich, dass der Anteil an Bitterstoffen steigt. Eine solche Zunahme der Alkaloide ist bei Einsatz von Nachbausaatgut zu befürchten.

Gelbe Lupine: Befallsbeginn von Anthracnose an der Hülse






Quelle: Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. - Deutscher Bauernverband